Mercedes-Benz

Wupperputz – eine Familie räumt auf.

17. Juli 2019

Im Frühjahr ruft der traditionelle „Wupperputz“ Tausende Wuppertaler an die Ufer ihres Flusses, um ihn von Unrat zu befreien. Tobias Schlüpner geht weiter: Als Pate für einen Abschnitt der Wupper zückt er gemeinsam mit seiner Familie wöchentlich die Mülltüten.

„Papa, da unten liegt was!“ Noch bevor Tobias Schlüpner sieht, was sein Sohn Tristan entdeckt hat, hüpft der Achtjährige schon die Böschung hinunter, greift ins kalte Wasser der Wupper und zieht ein großes Stück Plastikfolie heraus. „Super“, lobt der Vater und hält ihm den Müllsack hin. Schnell haben die beiden einige Kilogramm Unrat aufgepickt. „Für Kinder ist das wie eine Schatzsuche. Und sie lernen auch noch etwas dabei“, sagt Schlüpner. Bei gutem Wetter begleiten seine Frau Julia und Sohn Tristan ihn bei seiner ehrenvollen Aufgabe: als Wupperpate.

Das Sonnborner Ufer gehört zu den schönsten Abschnitten der Wupper.

Patenschaft verpflichtet.

Seit Anfang 2017 engagiert sich Tobias Schlüpner ehrenamtlich im Verein „neue ufer wuppertal e. V.“ für einen Abschnitt des Flusses. Gemeinsam mit den Stadtwerken und dem Wupperverband hatte der Verein die Idee zu der Umweltschutzinitiative. Mit seiner Patenschaft hat er sich verpflichtet, die Wupper etwa einmal in der Woche rund 400 Meter vom Wupperstadion flussabwärts zu durchschreiten und so gut es geht von Abfall zu befreien.

Idylle mitten in Wuppertal.

Der Abschnitt am Sonnborner Ufer zählt zu den beliebtesten Orten an der Wupper. Er ist leicht zugänglich und trotzdem wildromantisch. Im Sommer nutzen Anwohner von jung bis alt den Bereich gerne zum Sonnenbaden oder Grillen – allerdings mit unterschiedlichen Reinlichkeitsprinzipien. Entsprechend viele Bierdosen, Scherben, Zigarettenkippen und Verpackungen finden sich im Kies. Der Verein „neue ufer“ spricht daher von einem „Problemstück“. „Alle finden es hier schön. Deshalb kann ich es nicht verstehen, dass man dann die Natur so zumüllt. Wenn ich unterwegs bin, spreche ich die Menschen immer an und bitte sie, ihren Müll wieder mitzunehmen“, sagt Schlüpner. Das Bewusstsein für den eigenen Dreck zu wecken sei das Wichtigste. „Die meisten reagieren einsichtig, manche fragen sogar nach einem Müllsack.“

„Jeder kann etwas tun. Und wenn man nur im Urlaub beim Strandspaziergang ein paar Teile einsammelt.“

Tobias Schlüpner

Die Wupper wirkt jedoch wie ein Förderband. Vieles, was im Stadtkern im Wasser landet, strandet im renaturierten Wupperbogen am Sonnborner Ufer an Ästen und Steinen. Jede Woche, nachdem Schlüpner nach Feierabend seine ein- bis zweistündige Runde gemacht hat, trägt er regelmäßig zwei volle Säcke zur Mülldeponie. Eine Patenschaft ist eine Sisyphusaufgabe. „Man muss schon einen langen Atem haben. Aber ich sehe das auch ein wenig als Hobby. Ich bewege mich, habe frische Luft und bin in der Natur“, so der Elektriker aus dem Pkw-Service der Mercedes-Benz Niederlassung Wuppertal.

Für Julia, Tristan und Tobias Schlüpner ist der Einsatz an der Wupper oft ein Familienausflug.

Vom Fahrrad bis zum Verkehrsschild

Sein ungewöhnlichster Fund? „Das war wohl die Gaspistole, die Tristan auf einmal in der Hand hatte“, erzählt Schlüpner. „Die haben wir dann später bei der Polizei abgeliefert.“ Einem Verbrechen auf der Spur waren die Wupperpaten schon häufiger. Einmal fanden sie einen aufgebrochenen Tresor, einmal Gewehrmunition. Offene Portemonnaies, einzelne Personalausweise oder EC-Karten kommen häufiger vor. Solche Funde werden dann dem Ordnungsamt oder der Polizei übergeben. „Normalerweise ist es aber einfach nur Plastikmüll, meist von Getränken. Hin und wieder ist auch mal eine Verkehrsbake dabei“, erzählt Julia Schlüpner, die ebenfalls in der Mercedes-Benz Niederlassung Wuppertal arbeitet.

Naturparadies Wupper.

Aber Familie Schlüpner sieht nicht nur die Schattenseiten am Ufer der Wupper. Gerade jetzt im Frühsommer zeigt sich ihr Pflegeabschnitt auch immer wieder in einem bezaubernden Licht: Die Bäume leuchten in frischem Grün, das Wasser glitzert in der Sonne. In den Mulden der Wupper liegt oft Laich, es gibt viele Fische und Vögel. „Ich habe schon einen Kormoran gesehen und einen Eisvogel“, sagt Schlüpner. „Manchmal denke ich, dass ich nicht mitten in Wuppertal, sondern irgendwo in Kanada bin.“

Über die Wupper.

Verlauf:Die Wupper entspringt in einem Quellgebiet in Börlinghausen bei Meinerzhagen im Bergischen Land. Erst als „Wipper“, später als „Wupper“ schlängelt sich der Fluss über 116,5 Kilometer durch das Land bis zur Mündung in den Rhein bei Leverkusen.
Brücken:Knapp 200 Brücken über die Wupper gibt es. Beinahe die Hälfte davon steht im Stadtgebiet von Wuppertal. Die berühmteste ist die Müngstener Brücke. Mit 107 Meter Höhe ist sie die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands.
Sprichwort:„Über die Wupper gehen“ ist als geflügeltes Wort für „sterben“ oder „kaputtgehen“ weithin bekannt. Wie bei vielen Redewendungen ist die Herleitung jedoch umstritten. Möglicherweise befand sich in Wuppertal ein Gefängnis mit dem Zellentrakt auf der einen und dem Todestrakt auf der anderen Seite – verbunden durch eine Brücke. Wer über die Wupper ging,war zum Tode verurteilt.
Wupperputz:Beim Wupperputz am letzten Märzwochenende ruft die Stadt Wuppertal jeden Bürger zum Großreinemachen auf. Danach darf offiziell nur noch in die Wupper, wer einen entsprechenden Ausweis hat, damit kein Fischlaich zerstört und brütende Vögel nicht gestört werden. 2019 halfen rund 2.300 Menschen beim Wupperputz. Über 17 Tonnen Müll wurden eingesammelt.
Patenschaften:Patenschaften zur Pflege der Wupper vergibt der Verein„neue ufer wuppertale. V.“, der sich für die Verbesserung des Zustandes des Flusses einsetzt. Ziel ist, die Wupper, die früher der Industrie vornehmlich als Abwasserkanal diente, wieder mit vielfältigem Leben zu füllen.

Fotos: © Jens Pussel